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Anmerkung zur Bildkonzeption.
Diese Bildgestaltung  ist keineswegs  übereinstimmend  mit  meiner  sonstigen künstlerischen  Aus-richtung, sondern  ist  als ein einmaliger Exkurs in eine  bedrohliche, apokalyptische visionäre  Welt-sicht  zu  verstehen,  ein  Bildwerk, das  weder  konzeptionell,  stilistisch  noch  formal  mit  meinem sonstigen künstlerischen Schaffen in Verbindung gebracht werden kann.
 
Erläuterung zum Polyptychon
Thematik und künstlerische Gestaltungsform:
Schroffer  Gegensatz  von  apokalyptischer Vision einerseits, andererseits  Einbindung  bildnerischer Mittel in eine ästhetische , dem  Auge schmeichelnde Farbaura. In seiner äußeren Erscheinungsform als Querverbindung oder  Parallele zum mittelalterlichen Altarbild zu verstehen, jedoch divergierend in seiner Thematik und seinem  formalen, kompositorischen Bildarrangement. Bezogen auf den Aufbau: Konträr der zentralisierten Ausrichtung früherer sakralen Bildanlagen. Im Mittelfeld des Bildes gibt es keinen  Kristallisationspunkt  wo  alle  Formen,  Farben   und   Bewegungen  sich  gesteigert  treffen, sondern hier  werden durch Ballungen, Häufungen Überlagerungen und Schichtungen bewußt Unruhe gestiftet.
Ruhelos wird das schauende Auge durch den Bildraum gehetzt. Die Bildmitte nimmt somit  unmittel-bar  Bezug  auf  die  unübersehbaren  Konfliktsituationen  deren sich  der Mensch unserer Tage aus-gesetzt  sieht.    Ausgelöst   durch  die  Möglichkeiten  katastrophaler,  kriegerischer   Auseinander-setzungen , oder  durch  den  erbarmungslosen Wettkampf innerhalb der hochtechnisierten Industrie-nationen der Welt, der letztlich auch zu einer Bedrohung des Lebens führen kann.
 
Richard Hoffmann

Zum Polyptychon von Richard Hoffmann - Monika Bugs Kunsthistorikerin
Der  Maler  und Bildhauer Richard Hoffmann  wandte sich in den Jahren  l971 / 72  von der abstrakten Malerei  mehr und mehr der  figurativen Malerei zu,  um dieses Feld  aufs Neue zu durchforsten.  Von der Vorstellung geleitet brand-aktuelle Themen in den Sakralraum  ( Kirchenraum ) zu transformieren, mit der  Absicht, den  Betrachter  von dem  traditionellen  Andachtsbild zu entbinden und ihn mit den Gegenwarts-Konfliktsituationen  zu konfrontieren.  So entstand  innerhalb  von  drei  Jahren  ein recht provokantes  Polyptychon  in den Maßen von 5,50 m X 3,60 m. Entmenschte Menschlichkeit in einer visionären  Landschaft  des Schreckens  wird  offenbar. Die  erschreckend  morbide Erscheinung des Menschen,  der  umgeben  oder  gar  durchdrungen  von  Elementen  der  Technik  und bedrohlichem Kriegsgerät, sich den Früchten seines zerstörerischen Wirkens nicht entziehen kann, entlarvt ihn als Täter und Opfer zugleich.
Zerfetzte   Reste   aufgebrochener   Menschenleiber   die,  ausgehöhlt,  entleert  jeglichem  humanen Lebens,  in  einen  ekstatischen  Taumel  vehementer  Verzweifelung geraten, sind Form gewordener Aufschrei  der  von   namenlosen  Qualen  Gegeißelten. Die  geknitterten   Tücher  Metalle,  leblosen Bäumen, Waffenteile scheinen Werkzeuge unsichtbarer Folterknechte zu sein. Dicht  gedrängt fügen sie sich in der schmalen  Bildraumschicht des immensen Mittelfeldes beinahe lückenlos aneinander, fesseln und zerren die bedauerswerten Kreaturen rücken dem Betrachter empfindlich nahe. In diesem Wald  des  Grauens  erscheint  ein  possierliches  Eichhörnchen  als  Verfremdungseffekt - leicht ab-gerückt  von  der  Mittelsenkrechten,  formal  und farblich abgehoben - hantierend mit einer Eierhand-granate,wird ein scheinbar  harmloses  Geschöpf zur drohenden Gefahr. Der geschlossene Raum hat keinen Horizont, verstellt von einem schier undurchdringlichen Formenwirrwarr,  läßt er den Gestalten keinen Handlungsspielrawn. Nur zwei " Öffnungen " geben  den  Blick auf eine verwüstete Landschaft und  eine  tote in  Flammen aufgehende Stadt frei.  Ausdruck eines diabolischen  Wirkens mit seiner Trost- und  Hoffnungslosigkeit.  Gedacht  wurde  der  Stadt  Dresden.  Das  Massaker  des  Krieges, Katastophen, das manisch-depressive Irresein,  Erscheinungen unserer Zeit, sind in diesem Tafelbild thematisiert. In sich verstrickte Formen sowie frontal auftreffende Lichter mit den Dunkelheiten stiften Unruhe, setzen  Bewegungsenergien frei.  In  spannungsvollem  Verhältnis  steht die bildparallel aus-gerichtete Komposition  zur Plastizität  organischer  Bildelemente, deren Farbigkeit minutiös,  in  alt-meisterlicher Technik ausgeführt ist.  Eine innere Räumlichkeit bildet sich aus. Die  Farben  reduziert auf  eine   Anzahl   weniger   Hauptfarben,   folgen   der  Hell- Dunkel - Struktur,  verdichten   sich  zu schwärzlichen Tönen oder sind bis zum  harten Weiß gebrochen..  Angeführt  von  dem  kühlen  Blau und den Grauwerten - deren Träger die tote Materie ist - setzen sie als Lokalfarben Akzente, schaffen mit  den  deutlichen,   meist   diagonalen  Richtungsachsen  der  sich  wiederholenden  Formen  eine spannungsreiche  Bildrhythmik.  Eine  ästhetische  Bildordnung bannt das scheinbare Chaos. Erst in den anderen Bildteilen die formal und  inhaltlich  Bezug zur  Hauptdarstellung nehmen,  löst  sich die Spannung,  öffnet  sich  der  Landschaftsraum,   kehrt  Ruhe  ein,  ist  Hoffnung  möglich ?   ( rechter Flügel ) Orthogonale  Achsen  lösen  die Schrägen ab,  gerundete  Formen  die  harten konstruktiven Formen; die Farben sind stärker gebrochen,  einander angeglichen..  In  dem  linken Flügel begegnen uns die Gefahren  der  Industrialisierung.  Beton  hat  die  Erde  verkrustet,  überdimensionale  Rohre greifen in die Tiefe des Raums - im Hintergrund verkleinert und vervielfältigt - begrenzen Bildfläche und Raum, verunstalten die karge Landschaft,  schleichend, giftige Dämpfe umhüllen das ganze trostlose Szenarium.
Das  kahle  Geäst  der Bäume  ist  zu  einer  Art  Dornenkrone  geworden ; kraftlose,  erstarrte Vögel drohen  herabzustürzen  in  die  beiden  vorderen,  von  roten  lodernden  Flammen umgebenen Rohr- öffnungen,  in  einen Höllenschlund der Neuzeit.  Auch hier erscheinen die Bildgegenstände größten-teils  bildparallel,  Rohre  oder  die  an Autobahnbrücken erinnernde  zickzackförmigen Bänder fuhren eher nach oben  oder unten denn  in die Tiefe, verzerren die  Perspektive von Raum und  Zukunft. Die idyllische Felsenlandschaft des rechten Flügels, von Rot und Grüntönen beherrscht,  ist ganz positiv ausgerichtet.  Die  menschliche  Gestalt  assoziiert  zu  Darstellungen  der  Gestalt  " Adams "  ein-gebunden  in eine weiträumige, unverdorbene Natur.  Im Gegensatz zu seiner  äußeren realistischen Formgebung,   wird  hier  zugleich  auf   äußerst  komplizierte  innere  Strukturen  im  menschlichen Organismus verwiesen, aber auch gleichzeitig auf die inneren, geistigen Vorgänge im Menschen auf-merksam   gemacht.   Positiver  Aspekt:  Die  im   inneren  der  Gestalt  eingebrachten  technischen Mechanismen verweisen auf moderne , chirurgische Eingriffsmöglichkeiten, Organverpflanzungen und sonstige  Hilfsaggregate,   die das  Leiden des Menschen zu verringern versuchen,  das  Weiterleben ermöglicht. Negativer Aspekt : Die Gefahr,  daß der  Mensch  unserer Tage durch neue Erkenntnisse im  Bereich der  Wissenschaft  und Technik über  den Weg der Chirurgie manipulierbar geworden ist. Eine  Glaskugel mit einem  zartvioletten Phantasiegebäude,  bekrönt von grün-blauen, meeresartigen Wolken, schwebt zwischen den Felsen-eigentlich ortlos-,  wird in ihrer Zerbrechlichkeit  zum Zeichen der Gefährdung menschlicher Keativität.  Das  obere Bildfeld  führt den Blick des Betrachters  in  den Bereich des uns übergeordneten Kosmos.  Aber auch vor  dem Weltall macht der Mensch nicht halt. Die aufgespießten  gefalteten Stoffe des Zentralbildes formieren sich zu bedrohlichen Lanzen, durch-brechen  die  Bildgrenze  und  dringen  unaufhaltsam  in das All ein.  Der Ursprung  allen Lebens aus dieser  Unendlichkeit  heraus  ist  in  der  Predella  versinnbildlicht. Noch  ist  nichts konkret  faßbar, diffuses  Licht  steigt  aus  der  Tiefe  einer  unerklärlichen  Dimension,  zarte Fäden wachsen zu rot-braunen Zellenmembranen, die zu einem komplexen räumlichen Gebilde verwoben sind.
Das Polyptychon Richard Hoffmanns birgt eine apokalyptische Sicht. In seiner äußeren Erscheinung, Form und Farbgebung steht es dem spätgotischen Altarbild nahe,das der Künstler jedoch mit neuen, zeitaktuellen Inhalten belegt. Das Bewußtsein lauernder Gefahren, der unausweichlichen Zerstörung der  Umwelt,  für die der  Mensch selbst  verantwortlich zeichnet,  manifestiert  sich in dem Gesamt-bildwerk.

Wie in der Vergangenheit so auch für die Gegenwart und leider auch in der Zukunft besitzt dieses Bild  mit  seiner Thematik immer aufs Neue eine  brennende  Aktualität  in der Welt. Dieses  Bild kann  unter Umständen  als  ständige Leihgabe  für einen Kirchenbau oder ein öffentl. Gebäude freigestellt werden.